• Sommerforum Medienkompetenz 2014

    5. Juni 2014 im MIZ-Babelsberg
  • In der Schublade!

    Die Verhandlung von Vorurteilen durch die Medien

  • Sie stecken tief in unserem Unbewussten und werden aktiviert, lange bevor wir nachdenken können: Vorurteile. Manche sind harmlos, andere diskriminierend, manche haben einen wahren Kern, viele resultieren aus traditioneller Feindschaft und Fehleinschätzung. Sie richten sich gegen bestimmte Kulturen, Religionen, Nationalitäten, Hautfarben, Berufe, sexuelle Orientierungen oder einfach Unbekanntes. Vorurteile helfen uns in der Konfrontation mit neuen Situationen. Wir können so Risiken gegenüber dem Unbekannten einschätzen und Vertrauen oder Vorsicht, Sympathie oder Ablehnung entwickeln, bevor unser Gehirn überhaupt irgendwelche Fakten einsortiert und ausgewertet hat. Vorurteile aber sollten nur so lange Bestand haben, bis sie durch ein ausgewogenes Urteil abgelöst werden. Da sie sehr tief in unserem Unbewussten und unseren Gefühlen verankert sind, wirken sie zuweilen stärker als konkrete, rational begründbare Erfahrungen oder wissenschaftliche Statistiken.

    Im medialen Zeitalter werden Vorurteile entscheidend durch Medien verstärkt. Allerdings können Filme oder Berichte auch dazu beitragen, Vorurteile abzubauen – wenn etwa vorurteilsbehaftete Gruppen oder Personen sympathisch und positiv geschildert werden oder wenn bei Erfolgsformaten wie „The Voice of Germany" in den sogenannten „Blind Auditions" ganz bewusst mit Vorurteilen von Zuschauern und Jury gespielt wird.

    Das Verhältnis von Medien und Vorurteilen steht im Mittelpunkt des "Sommerforum Medienkompetenz", das mabb und FSF in Kooperation mit dem MIZ-Babelsberg veranstalten. Die Tagung beschäftigt sich in Vorträgen und praxisnahen Workshops mit der Funktionsweise sowie den Gefahren von Vorurteilen, Stereotypen und Klischees und beleuchtet das Verhältnis von Medien und Vorurteilen aus unterschiedlichen Disziplinen und Perspektiven. Dabei werden Ansätze aufgezeigt, wie (junge) Menschen mediale und eigene Vorurteile identifizieren, relativieren und angemessen reflektieren können.

    • Programm 
    • 11:00 Uhr

      Anmeldung

      11:30 Uhr

      Begrüßung

      11.40 – 12:30 Uhr

      medius-Preisverleihung

      12:30 – 13:00  Uhr

      Mittagspause mit Sektempfang

      13:00 – 13:30 Uhr

      Kleine Einführung in das Schubladendenken

      Wie unbewusste Vorurteile und Stereotypen unser Denken und Verhalten bestimmen

      Prof. Dr. Jens Förster, Universiteit van Amsterdam

      13:45 – 16:00  Uhr

      Workshops

      (Bitte entscheiden Sie sich maximal für eines der Angebote!)

      a)

      Klischee als Welt und Vorstellung

      Eine praktische Übung zur Bedeutung von Klischees fürs Storytelling

      Dr. Werner C. Barg (herzfeld productions)

      b)

      "Spaß trotz Rollstuhl?!"

      Über Menschen mit Behinderung berichten

      Lilian Masuhr (Projekt „Leidmedien")

      c)

      Vor-Urteile im TV

      Die ambivalente Funktion des Fernsehens bei der Entwicklung von Ressentiments

      Claudia Mikat, Christina Heinen (FSF)

      16:00 – 16:30 Uhr

      Kaffeepause

      16:30 – 17:30 Uhr

      Abschlussplenum

      Präsentationen aus den Workshops und Abschlussdiskussion

      anschließend Grillempfang

    • Informationen zu den Referenten und Workshops 
    • Image-40
    • Keynote

      Kleine Einführung in das Schubladendenken

      Wie unbewusste Vorurteile und Stereotypen unser Denken und Verhalten bestimmen

      Dr. Jens Förster ist Professor für Sozialpsychologie an der Universiteit van Amsterdam und lehrte davor u.a. an den Universitäten Trier, Würzburg und der Jacobs University. Er studierte Germanistik, Linguistische Datenverarbeitung, Philosophie und Psychologie in Trier und Schauspiel/Operngesang in Saarbrücken. Er promovierte 1994 im Fach Psychologie an der Universität Trier habilitierte sich 2000 an der Universität in Würzburg. Er forschte als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent an den Universitäten Trier und Würzburg und verbrachte zwei Jahre auf der Basis eines DFG-Stipendiums als Post-Doktorand an der Columbia University New York. Von 2008-2013 war er wissenschaftlicher Direktor des Kurt-Lewin-Instituts, einer nationalen, vielfach ausgezeichneten Graduiertenschule. Er erhielt zahlreiche Preise (u.a. das Heisenberg-Stipendium der DFG, den Tom Ostrom Residence in Scholar Award 2009, den Charlotte-und-Karl-Bühler-Preis der Deutschen Gesellschaft für Psychologie 2010, und den Kurt-Lewin-Award der European Association of Social Psychology, 2011). Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Sozialpsychologie der Vorurteile, Kreativität, Innovation, Wissensaktivierung, Selbstregulation, Liebe und Motivation. Momentan arbeitet er an einer neuen Theorie der Liebe und an einer umfassenden Theorie über Haben, Tun und Sein. 

    • Workshop A)

      Klischee als Welt und Vorstellung

      Eine praktische Übung zur Bedeutung von Klischees fürs Storytelling

      Klischees bündeln Erwartungshaltungen. Erwartungshaltungen speisen sich aus Erfahrungen und Vor-Urteilen. Gesellschaftlich geprägte und politisch geschürte Vor-Urteile etwa zu spezifischen Bevölkerungsgruppen in der filmischen Erzählung oder Dokumentation bloß zu bestätigen oder sogar zu steigern – wie dies in den antisemitischen Hetzfilmen der Nazis geschah – ist ein Verbrechen. Mit Vor-Urteilen narrativ zu spielen, sie in filmische Klischees zu verpacken, um sie schließlich kritisch zu hinterfragen, womöglich sogar zu brechen, ist wichtiger Teil filmischer Erzählkunst. Sich an  ihr in einer praktischen Übung auszuprobieren, ist Aufgabe der Teilnehmer/-innen in diesem Workshop. Nach einer kurzen Einführung werden kurze Sequenzen gezeigt, in denen verschiedene Personen zu sehen sind. Jeder Betrachter macht sich so seine Vorstellungen, eben seine Vor-Urteile von den Personen. In einer ersten praktischen Arbeitsphase formulieren die Teilnehmer/-innen  ihre Mutmaßungen in Form kurzer Personenbeschreibungen. Diese „Klischeeschablonen" dienen als Grundlage für den zweiten Arbeitsschritt: Jede/r wählt mindestens zwei der fiktiv vorgestellten Personen aus und erfindet zu ihnen eine fiktive Welt: eine kurze Story oder eine dramatische Situation (1. Begegnung, Streit etc.), in der die Figuren nicht so handeln, wie es das „Klischee" von ihnen erwarten lässt. Ziel des Workshops ist es, sich in einer praktischen Schreibübung über eigene Vor-Urteile bewusst zu werden, und sie für den kreativen Prozess des Storytelling  nutzbar zu machen. 

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    • Dr. Werner C. Barg ist Autor, Produzent, Filmjournalist und Regisseur von Film- und Videoproduktionen. Er war fast 20 Jahre in der theoretischen wie praktischen Filmausbildung an deutschen Hochschulen tätig, zuletzt von 1998 bis 2007 Studienleiter der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb)  –  und hat zahlreiche Dokumentationen und mehr als 20 Spielfilme von Absolventen für Kino und TV  dramaturgisch und z.T. auch als Koproduzent betreut (u.a. „Der Acker, die Hölle" mit Thomas Plöger,  Debüt-Drehbuchpreis von MSH, NDR & Rowohlt 1997;  „Unter Verdacht: Wespennest" (2007); „Wut im Bauch" (2008); „Die Odyssee der Kinder", Co-Autor, Co-Regie, 2008; „Raiffeisen – Einer für alle" (2009); „Küstenwache: Die Bernsteinhexe" mit Andreas Dirr, 2011). Derzeitige Lehraufträge bekleidet er an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) „Konrad Wolf" und am Halleschen Institut für Medien (HIM) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 2011 gründeten Werner C. Barg und die Opal Filmproduktion GmbH (Alexander von Hohenthal) gemeinsam die herzfeld productions, um u.a. und insbesondere im Bereich der Produktion von Debütfilmen, besonderen Kino- und Arthousefilmen, aber auch von Dokumentationen und historischen Doku-Drama-Formaten zusammenzuarbeiten.

    • Workshop B)

      "Spaß trotz Rollstuhl?!"

      Über Menschen mit Behinderung berichten

      Im Workshop von Leidmedien.de der SOZIALHELDEN werden wir die Darstellung von behinderten Menschen in den Medien diskutieren: Welche Begriffe sind eher Floskeln? Wie könnten neue Perspektiven in Fotografie und Fernsehen aussehen? In Gruppenarbeit werden aktuelle Medienbeispiele untersucht und neue Formatkonzepte über Menschen mit Behinderungen (Hörfunk, TV, Print) entworfen. Außerdem klären wir Fragen zu barrierefreier Kommunikation, vom Interview bis zur Medienproduktion.

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    • Lilian Masuhr ist Journalistin für Online-Medien und Radio in Berlin. Bei den Sozialhelden engagiert sie sich vor allem im Projekt Leidmedien.de und ist dort Projektleiterin, Redakteurin und Social Media Managerin. Neben dem Studium der Kulturwissenschaft und Französischen Philologie an der Universität Potsdam hat sie lange bei Fritz, dem Jugendsender vom Rundfunk Berlin-Brandenburg, gearbeitet. Außerdem organisiert sie Medientraining-Workshops und moderiert Podiumsdiskussionen über digitale Kultur und sozialen Journalismus, unter anderem für die Berliner Gazette. Auf ihrem eigenen Blog Blue Story sammelt sie seit 2014 Geschichten, die Menschen erst durch Facebook erleben.

    • Workshop C)

      Vor-Urteile im TV

      Die ambivalente Funktion des Fernsehens bei der Entwicklung von Ressentiments

      Das Fernsehen arbeitet mit Stereotypen – Geschlechterklischees, Bilder klauender „Zigeuner" und sich prostituierender „osteuropäischer Frauen", überdrehter „Tunten", arbeitsscheuer Hartz-IV-Empfänger – und reproduziert damit soziale Stigmata. Gleichzeitig werden Klischees und Vorurteile aber auch – teilweise beabsichtigt, teilweise unbeabsichtigt – zur Diskussion gestellt und gebrochen. Unter welchen Voraussetzungen wirkt die Darstellung und Thematisierung von Klischees auf Kinder und Jugendliche vorurteilsbildend? Und inwieweit kann sie zu Abgrenzung führen und ein Bewusstsein für Diskriminierung fördern? Dies soll anhand von Beispielen aktueller Castingshows, Reportagen und Comedies diskutiert werden.

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    • Claudia Mikat studierte Erziehungswissenschaften/ Freizeit- und Medienpädagogik an der Universität Göttingen. Sie arbeitete als freiberufliche Medienpädagogin, als Dozentin und in der Erwachsenenbildung. Von 1994 bis 2001 leitete sie die Geschäftsstelle der FSF. Seit 2001 ist sie Leiterin der FSF-Programmprüfung und hauptamtliche Vorsitzende in den Prüfausschüssen.

      Christina Heinen studierte Soziologie und absolvierte ihr Volontariat an der Journalistenschule der Evangelischen Medienakademie in Berlin. Sie arbeitete als Freie Journalistin mit den Schwerpunkten Medienthemen, Film- und Fernsehkritik und ist seit 2004 hauptamtliche Prüferin bei der FSF.

    • Tagesmoderation

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    • Miriam Janke kennt Vorurteile am eigenen Leib, negative wie positive: sie hat 3 Jahre in Lateinamerika gelebt und gearbeitet. Mal wurde sie als „fleißige" Deutsche gesehen (in Mexiko), mal als „freizügige" Europäerin (auf Jamaika) oder gar als „eine von uns" (Brasilien). Die studierte Kulturwissenschaftlerin und gelernte Journalistin lebt seit 2005 in – Achtung, Vorurteil! – „arm, aber sexy"-Berlin. Sie moderiert Veranstaltungen auf Deutsch, Englisch und Spanisch, lernt fürs Radio (Rubrik „Born to learn" bei radioeins) und coacht Menschen, die beruflich und privat ihren eigenen Weg gehen. Fragen, die sie zur Zeit umtreiben: wie man energetisierende Veranstaltungen hinbekommt und wie wir mit Geistund Körper lernen können.

    • Anmeldeformular 
    • Kontakt

      Camilla Graubner (FSF), E-Mail: graubnerc@fsf.de

      Anja Kienz (mabb), E-Mail: kienz@mabb.de

      Veranstaltungsort: www.miz-babelsberg.de

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